Déjà-vu
Ich beobachtete wie sich ein kleiner dunkelroter Tropfen auf meinem Unterarm bildete. Der Kratzer wurde ganz warm. Aber ich weinte immer noch.
Ich ließ noch einmal meine scharf gefeilten Fingernägel über meinen Unterarm fahren.. nochmal..diesmal schneller.
Fast eine Minute lang kratze und kratze ich auf meinem Unterarm. Der Tropfen war nun nicht mehr alleine. Ein weiterer gesellte sich zu ihm und noch einer.
Doch die Tropfen auf meinem Gesicht vereinsamten
Es tat so verdammt gut. Die Hitze auf meinem Arm. Aber ich wollte ihn nicht ansehen auch wenn alles nur rot war und 3 - vielleicht auch mehr- Tropfen Blut zu sehen waren...
Ich erinnerte mich zurück an die 8. Klasse. Damals benahm ich mich anders, kleidete mich anders. Die anderen konnten das nicht akzeptieren und grenzten mich aus. Dazu kam dann auch noch das meine Eltern kurz vor der Scheidung standen.
Meine ganze heile Welt ist damals zusammengebrochen und ich wollte Aufmerksamkeit und ich wollte das alle noch wussten das ich da war.
Einmal in der Pause nahm ich unauffällig meine Schere aus meiner Federmappe und ging nicht wie die andern in die Pausenhalle sondern auf's Klo. Schloss mich ein. Nahm die Schere. Legte eine Seite der Klinge auf meinen nackten weißen Unterarm. Ich erschrak vor der Kälte der Klinge und konnte nicht fassen das ich das tat. Aber schon bald sah ich einen tiefen Schnitt in meiner Haut. Und noch mal.. nochmal.
Ich tat es so oft, keiner merkte es. Keinen hatte es interessiert. Als auf der Klassenfahrt auch noch dazu kam das meine letzte Freundin, Paula, mir auch noch direkt ins Gesicht gesagt hat das sie nichts mehr mit mir machen will war es zuende.
Den Abend, wo die Disco stattfand, bin ich rausgerannt. Wollte aus der Jugendherberge wegrennen.. Nanny und Kathrin haben mich gesehen und aufgehalten. Mir fiel das kleine Messer aus der Tasche.
Ich glaube Nanny und Kathrin waren die, die meine damaligen besten Freunde Eileen, Stefanie und Svenja darauf aufmerksam machten was mit mir los war. Oder sie hatten es selbst gemerkt. Zumindest waren sie es, die meiner Mutter alles erzählten und denen ich doch eigentlich verdanke aus dieser Zeit rausgekommen zu sein.
Doch der Abgrund, den die 3 damals schlossen, hat sich heute wieder geöffnet.
Aber eins ist anders.
Ich hab heute Freunde, mit denen ich reden kann. Ich vertraue nicht mehr meinem Tagebuch von damals meine Gedanken an und heule in mich rein, sondern heule mich bei Sveni aus. Oder Nina. Oder den anderen. Es tut so gut zu wissen, dass wenn ich am Abgrund stehe und falle, jemand meine Hand halten wird und mich hochziehen wird.