Ein Text vom Pfefferprinzen

Veröffentlicht auf von Alena

Geschrieben werden diese Fantasien von einem Pazifist der die groteskesten Gewaltwünsche hat.
Am Morgen erwacht und sogleich zurück gesunken in ein Bett aus Steinen und Leinen. Auf der Haut kratzt das grob geflochtene Seil und hinterlässt rote Striemen. Ein krummer Rücken, gebeugt von Menschen mit Zungen aus Eisen und Blicken aus Gift, erhebt einen gesunkenen Kopf, der nur zwischen den eingefallenen Schultern baumelt, wie ein Puppenkopf.
Leer ist mein dröhnender Kopf, als ich mich erhebe, um zu liegen. Einen Fuß vor den anderen setzen hilft zu vergessen, warum ich eigentlich eingeschlafen bin. Den Grund zu verdrängen hilft am besten dabei sein Selbst zu vergrößern und zu verbessern.
Wie ein Künstler an seinem Ölgemälde Jahre malt, baue ich Jahre an mir selbst und füge ständige neue Dinge hinzu. Ein fahles Gesicht wird umrahmt von Haaren aus Ungebundenheit, Augen ohne warmes Licht und Wangen die von bleiernen Sorgen herabgedrückt werden. Ich bin eine große Statue und bestehe aus porösem Glas. Nicht ein, auch nicht zwei, nein es sind unzählige von Haar feinen Rissen, die mich durchziehen und zerstören. Sie lassen mein Podest wanken und meine Figur schwanken.
Selbst das größte Gemälde braucht ein Gerüst aus einem festen Stoff, der alles hält, einfach immer da ist, Halt gibt und Sicherheit. Ein Gerüst, das sich bei dem stärksten Beben noch aufrecht erhält und einfach die Zeit einfriert. So erschuf ich ein Gerüst aus Hass, welches mein Meisterwerk namens Ich hält und stützt.
Das Glas, welches meinen Körper schwächt und stärkt zur selben Zeit, bricht erst, wenn das Gerüst fällt. Winzige, spitze Scherben fallen von mir herab, wie das Laub von den Bäumen. Ich bin im Herbst meiner Tage und merke, es naht ein Ende, eine Richtung.
In meinem Leib glühen dunkle Feuer, die das Glas majestätisch beleuchtet und mir selber Kraft gibt. Wie mein äußeres Gerüst ist dies die Flamme des Hasses, aus derer ich meinen Mut schöpfe, zu sagen was mir beliebt, zu sagen, was gesagt werden muss.

Ein passenderes Bild gibt es nie in der Kunst – der Kranken. Ein vollkommen genaueres Bild einer Person gibt es nicht. Ich bin der Künstler und mein Zwilling ist die Statue. Mein Ich ist alles, nur nicht ich.

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